26.3. 17.00 Uhr Ausstellungseröffnung „Die Körper der SS“

Für das Themenjahr 2016 „Körperkultur – Schönheit, Hygiene, Selbstbild“ der Museumsinitiative Ostwestfalen-Lippe e.V. hat das Kreismuseum Wewelsburg eine Sonderausstellung erarbeitet, die Körperbilder, Körpervorstellungen und Körperideale des Nationalsozialismus im Allgemeinen und der SS im Besonderen in den Blick nimmt. Dieser Ansatz nimmt Forschungsstränge auf, die in den vergangenen Jahren, etwa in der Dissertation von Paula Diehl unter dem Titel „Macht – Mythos – Utopie. Die Körperbilder der SS-Männer“, breitere Beachtung gefunden haben.

Ziel der Ausstellung ist einerseits, das körperbasierte Denken in der Ideologie des Nationalsozialismus im Allgemeinen sowie der SS im Speziellen darzustellen und andererseits die Auswirkungen dieses menschenverachtenden Denkens auf die von den Nationalsozialisten definierten „Gegner“ des Systems beispielhaft und biographisch zu ergründen. Die Definition der angeblichen „Gegner“ wurde dabei im Grundsatz ebenso durch körperliche Merkmale vorgenommen oder zumindest begründet, wie die Definition der „Volkszugehörigen“.

In Publikationen, Reden, Bauten und mörderischen Handlungen ihrer Mitglieder und Führer ist eine besonders nachdrückliche Radikalisierung der skizzierten Körperideale bei der Schutzstaffel (SS) festzustellen. Die Körper der SS-Männer sollten im Sinne ihrer kriegerischen Funktion geformt sein und eine rassistische „Elite“ bilden. Sie sollten „hart“ und „stark“ werden und das sowohl in körperlicher als auch mentaler Hinsicht. Der SS-Mann hob sich zusätzlich durch die speziell gestalteten schwarzen Uniformen von der Masse der „Volksgenossen“ ab. Auch das Frauenbild der SS zeigt ein radikalisiertes Körperverständnis: Die Frau des SS-Mannes sollte nach dem Willen der SS-Führung eine „Gefährtin“ des Mannes sein, die ihn „stärkt“, ihm im Sinne des Elitegedankens der SS vermeintlich „rassisch“ wertvolle Kinder gebärt.

Demgegenüber zeigt sich auch der Umgang mit als Gegnern definierten Personengruppen, zunächst im innerdeutschen Bereich und später in den besetzten Gebieten Osteuropas als stetige Radikalisierung und Umsetzung des elitären Körperverständnisses der SS. Inhaftierung, Folter, willkürliche Massaker sowie die Morde in den Konzentrationslagern, verübt an osteuropäischen Volksgruppen, an Menschen jüdischen Glaubens, an Sinti und Roma und an vermeintlich „rassischen“ oder „politischen Gegnern“ belegen die entfesselte Brutalität und Willkür gegenüber angeblich „gegnerischen Körpern“. 

Die Sonderausstellung wurde mit Zuschüssen der Landeszentrale für politische Bildung NRW finanziert und vom 27.3. bis 16.8.2020 im Dokumentationszentrum Prora gezeigt.