„Radiologie im NS“

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Radiologie in den Jahren 1933 bis 1945, die insbesondere die Zwangssterilisation durch Strahlenbehandlung aus „ rassehygienischen“ Gründen und auch Versuchsreihen im Rahmen der Tuberkulosebekämpfung betrifft. Der medizinische Alltag, unter den die Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ fällt, bot auch der Röntgenologie Einsatzbereiche, sich an der verbrecherischen „Erbgesundheitspflege“ zu beteiligen.
In der Ausstellung werden wissenschaftliche Karrieren dokumentiert. Sie umfassen auch die Biografien verfolgter und ermordeter Radiologen zwischen 1933 und 1945. Besonderes Augenmerk gilt den Tätern, darunter Georg August Weltz, ein Radiologe und Röntgenphysiologe, dessen Hauptforschungsinteresse der Luftfahrtmedizin galt. Weltz war Mitglied der „Deutschen Röntgengesellschaft“, und 1938 Präsident des ersten „Großdeutschen Röntgenkongresses“ in München. Unter anderem wurden Druckkammerversuche zwischen März und August 1942 im KZ Dachau in Kooperation von SS, Luftwaffe und dem universitären Forschungsinstitut für Luftfahrtmedizin an der Münchener Universität durchgeführt, dessen Direktor Prof. Dr. Weltz war. Etwa 200 Häftlinge waren beteiligt, von denen ca. 70 bis 80 unmittelbar während der Versuche starben. Ausgeführt hatte die oft tödlich verlaufenden Humanexperimente SS-Hauptsturmführer Dr. Sigmund Rascher. Die Versuche kalkulierten zum Teil den Tod der Versuchspersonen ein, Sterbevorgänge wurden minutiös protokolliert. Nur wenige Mediziner mussten sich später vor Gericht verantworten. Weltz wurde allerdings im Nürnberger Ärzteprozess gemeinsam mit Siegfried Ruff und Hans-Wolfgang Romberg für die Unterkühlungs- und Höhen-/Druckkammer-Experimente angeklagt. Alle drei wurden freigesprochen.
Wie sehr jegliche ethische Normen von MedizinerInnen im Laufe des Krieges unterlaufen wurden, dokumentiert auch ein Erlass des Reichswissenschaftsministeriums vom 25. August 1941, nach dem das Ministerium bremsend eingreifen musste, weil Anfragen von universitären Forschern nach „Kriegsgefangenen als Objekte wissenschaftlicher Arbeiten“ die Verwaltung der Wehrmacht zu überfluten drohten.
Es hat Jahrzehnte gedauert, dass sich Mediziner im Allgemeinen, als auch die Facharztgruppen im Besonderen, nach langem Verschweigen und Verdrängen, dem Thema gewidmet haben.