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"Rügen im Nationalsozialismus - Ein Geschichtsprojekt für Jugendliche" im Rahmen des "Lokalen Aktionsplan" der Stadt Sassnitz
Das Geschichtsprojekt "Rügen im Nationalsozialismus", durchgeführt von Juni 2008 bis Januar 2009 im Rahmen des Lokalen Aktionsplan (LAP) der Stadt Sassnitz, bot Rügener Jugendlichen und interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auf Rügen, speziell in Sassnitz, auseinander zu setzen. Das Dokumentationszentrum Prora organisierte in Zusammenarbeit mit dem Sassnitzer Mehrgenerationenhaus Grundtvighaus folgende Veranstaltungen:
- Schülerprojekt zum Thema “Rügen im Nationalsozialismus”: Nach einer Einführung in das Thema durch Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Prora erarbeiteten sich 22 Schüler der Regionalen und Förderschule Sassnitz mit Hilfe von Zeitzeugeninterviews ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter und Sassnitzer Bürgern aus dem Archiv des Dokumentationszentrums Prora die Geschichte Sassnitz‘ im 2.Weltkrieg. Themen waren der Bombenangriff alliierter Bomberverbände der Royal Airforce auf Sassnitz am 6. März 1945, die Reichsprogromnacht 1938, die Situation der nach Sassnitz verschleppten Zwangsarbeiter und das in Sassnitz stationierte Arbeitskommando des Konzentrationslagers Ravensbrück.
Das Mehrgenerationenhaus Grundtvighaus bot mit seinem Medienkabinett die technischen Voraussetzungen für die Arbeit der Jugendlichen. Sie wurden dort in der Technik der Befragung von Zeitzeugen und im Umgang mit der erforderlichen Video/Audiotechnik geschult. Die Ergebnisse der Arbeit wurden in zwei Schulveranstaltungen Lehrern, Eltern und Schülern präsentiert.
- Studienfahrt nach Stettin vom 13. bis 15. November 2008: Eine Gruppe von Sassnitzer Schülern und Erwachsenen besuchten Schüler des Schulverbandes Nr. 8 in Stettin. Zusammen besichtigten sie die Sehenswürdigkeiten der Stadt und besuchten den Schulverband Nr. 8, wo sie sich mit ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern trafen. Diese berichteten den polnischen und deutschen Schülern von ihren Erfahrungen als Zwangsarbeiter auf Rügen im 2. Weltkrieg. [mehr]
- Vortrag "Rechtsextreme Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern" von Regine Krüger-Finke und Torsten Schörner am
28. November 2008
- Zwei Vorträge zum Thema “Krieg in Europa”: "Beherrschen, Verwalten, Ausbeuten. - Vernichtungskrieg in Osteuropa 1941 - 1945" von Marcus Gryglewski und "Sassnitz im Krieg" am 18. Dezember 2008
Folgende Themen standen im Mittelpunkt der Arbeit der Jugendlichen:
- Repression, Terror und Widerstand auf Rügen
- Der Zweite Weltkrieg in Sassnitz
- Flüchtlinge auf Rügen
Rügen im Nationalsozialismus - Eine Einführung
Die Bevölkerung Pommerns war von jeher vorwiegend konservativ eingestellt und lehnte das parlamentarische System der Weimarer Republik zu großen Teilen ab. Viele Bewohner dieser Provinz wünschten sich den Kaiser und die vermeintlich „gute alte Zeit“ zurück. Diese Einstellung zeigen die Wahlergebnissen in den 20er Jahren. Die antidemokratische, monarchistisch ausgerichtete DNVP (Deutschnationale Volkspartei) erzielte hier besonders hohe Ergebnisse (bis 50%). Eine erdrutschartige Veränderung des Wählerverhaltens und der Parteienlandschaft begann mit der Weltwirtschaftskrise 1929. Während die NSDAP in der Wahl von 1928 mit 1,5 Prozent noch eine Splitterpartei war, lag sie 1930 mit 24,3 Prozent mit SPD und DNVP gleich auf. 1932 war sie mit 47,9 Prozent die mit Abstand stärkste Partei in Pommern. Die Nationalsozialisten verstanden es sehr gut, die wirtschaftliche Misere und die damit vorbundenen Einstellungen und Vorurteile zu nutzen, zu verstärken und zu kanalisieren. Die Schuldzuweisungen für die ökonomisch-politische Krise an Juden und Polen fielen in Pommern auf fruchtbaren Boden.
Mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 begann auch auf Rügen die nationalsozialistische Herrschaft. Neben großer Zustimmung gab es auch vereinzelte Gegenstimmen und Widerstand. Bereits in die letzten Jahre der Weimarer Republik kam es zu
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Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der NSDAP und republikanisch oder links eingestellten Bürgern, in deren Verlauf unter anderem der später als „Opfer der Bewegung“ hochstilisierte HJ-Junge Mallon sein Leben verlor.
Im Jahr 1937 wurde auf dem Rugard in Bergen ein Wallfahrtsort für die Hitlerjugend (HJ) in Pommern errichtet. Für Mallon wurde ein Denkmal in Form eines germanischen Langhauses aus der Bronzezeit errichtet. Darin wurden die Gebeine des Toten aufbewahrt und alljährlich am Todestag veranstaltete die HJ einen Schweigemarsch.
In Putbus wurde eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (volkstümlich: Napola) eingerichtet. In diesen „Gemeinschaftserziehungsstätten“ sollten ausgewählte Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren zu nationalsozialistischen Führern herangezogen werden. Zum Unterrichtsprogramm gehörten vormilitärische Fächer wie Geländesport, Schießen, Reiten und Motorsport, aber auch Gruppenfahrten, Zeltlager und gemeinsame Feiern. Die Devise war „Glauben, gehorchen und kämpfen“. |
Kundgebung der pommerschen Hitlerjugend vor
dem Mallon-Denkmal
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