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Repression, Terror und Widerstand auf Rügen
In der "Reichsprogromnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 blieb auch Sassnitz nicht von antisemitischen Ausschreitungen verschont. Am 10. November fand eine "spontane" antisemitische Demonstration statt, der Jude Lazar Lemo aus Sagard, seine Frau und ihre Vermieterin Charlotte Schimmelpfennig wurden durch Sassnitz getrieben, beschimpft und bespuckt. Lazar Lemo musste ein Schild tragen "Ich bin ein Rassejude".
Jedoch auch heute harmlos erscheinende Kritik an der Partei- und Staatsführung oder Witze über Hitler konnten, z.T. sogar tödliche, Folgen haben. So wurde z.B. der Café-Betreiber Hans Baale wegen „fortgesetzter defaitistischer und staatsfeindlicher Äusserungen“ im November 1943 hingerichtet. Auch Anna-Marie Wittschekowski, Mutter dreier Kinder, wurde, nachdem sie sich kritisch geäußert hatte und den Nachbarn wegen ihres ungewöhnlichen Verhaltens aufgefallen war, in die Euthanasie-Klinik nach Ueckermünde gebracht und dort umgebracht. Offizielle Todesursache war Kreislaufkollaps.
Es gab jedoch auch Widerstand gegen das Regime auf der Insel. Im Krieg formierten sich in Altenkirchen und Wiek auf Wittow sowie in Sassnitz Widerstandsgruppen, die vor allem das Los der ausländischen Zwangsarbeiter zu lindern versuchten.
Charlotte Schimmelpfennig, geb. Heidemann,
geb. 12.04.1897, gest. 12.08.1971
Der Zweite Weltkrieg in Sassnitz
Mit der Machtübergabe an Hitler 1933 begannen auch auf Rügen Kriegsvor-bereitung und Aufrüstung. So wurden neben dem Militärflughafen Bug bei Dranske auch in Sassnitz militärische Einrichtungen installiert. Im März 1936 wurde Sassnitz Garnison; zunächst wurde eine Unterabteilung der Schiffsartillerieschule Kiel, die so genannte Entfernungsmessschule, einge-richtet. Es folgten eine weitere Marineeinheit und 1937 die 13. Schiffs-stammabteilung. Kasernen und eine Siedlung für das Militär wurden gebaut.
All diese Einrichtungen und die noch 1945 nach Sassnitz verlegte Torpedoversuchsanstalt machten neben den vielen vor der Stadt liegenden Kriegsschiffen Sassnitz zum Ziel für die Alliierten. In der Nacht vom 6. März 1945 bombardierte die Royal Airforce den Hafen und die davor ankernden Schiffe. Der Angriff kostete etwa 900 Menschen, vorwiegend Flüchtlingen, das Leben. Der Hafen, die Mole und einige Schiffe wurden stark zerstört. So sank noch am nächsten Tag die „Hamburg“, nachdem in ihrer Nähe abgeworfene Minen explodiert waren. Insgesamt starben bei dem Angriff etwa 900 Menschen, überwiegend Flüchtlinge. |
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Marineparade in Sassnitz
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Flüchtlinge auf Rügen
Sehr spät, erst 1944, begann die Evakuierung der deutschen Zivilbevölkerung aus Ostpreußen. Viele Menschen konnten zu dem Zeitpunkt nur noch mit dem Schiff aus dem eingeschlossenen Gebiet gebracht werden. Die Flüchtlinge wurden von Danzig oder Gdingen aus über die Ostsee nach z.B. Swinemünde oder Sassnitz gebracht und von dort mit dem Zug weiter ins Landesinnere. Fast zwei Millionen Menschen wurden per Schiff über die Ostsee transportiert. In Sassnitz befanden sich zeitweise über 60000 Flüchtlinge, viele davon waren verwundete Soldaten. Die Ausschiffung fand sehr langsam statt, da der Sassnitzer Hafen für große Schiffe nicht geeignet war. Die Menschen mussten erst auf kleinere Boote verladen und dann an Land gebracht werden. Von dort aus ging es weiter mit dem Zug Richtung Westen oder in Notunterkünfte wie den Rohbau des geplanten "KdF-Seebades" Prora, in dem bereits 5000 Flüchtlinge untergekommen waren.
Am 30. Januar 1945 machte sich das ehemalige KdF-Schiff „Wilhelm Gustloff“ von Gdingen aus mit etwa 10000 flüchtenden Zivilisten, Soldaten, Verwundeten in Richtung Westen auf. Die "Wilhelm Gustloff" fuhr abgeblendet, mit Flak ausgestattet und mit Geleitschutz und war für das sowjetische U-Boot, von dem es abgeschossen wurde, nicht als ziviles Fahrzeug zu erkennen. Bei der Versenkung starben 9000 Menschen, nur 1200 überlebten. Sie wurden von
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| Rohbau des "KdF-Seebades" Prora 1939 |
alarmierten Schiffen unter anderem nach Sassnitz gebracht. |
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