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30 . September bis 31. Oktober 2011 (täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr)
"Nein zu Hitler! Sozialdemokratie und Freie Gewerkschaften in Verfolgung, Widerstand und Exil 1933 - 1945"
Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung
Die Ausstellung „Nein zu Hitler! Sozialdemokratie und Freie Gewerkschaften in Verfolgung, Widerstand und Exil 1933 1945“ der Friedrich-Ebert-Stiftung dokumentiert auf 40 Tafeln mit mehr als 250 Exponaten, zum großen Teil aus den Beständen des Archivs der Stiftung, die Verfolgung von Sozialdemokraten und Freien Gewerkschaften während des Nationalsozialismus‘ und würdigt ihren mutigen Widerstand gegen die NS-Herrschaft. Neben den Kommunisten waren sie die ersten großen gesellschaftlichen Gruppen, die von den Nationalsozialisten nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 verfolgt wurden.
Die Präsentation zeigt in ihrem ersten Teil, wie Partei- und Gewerkschaftsorganisationen im Frühjahr 1933 zerschlagen wurden und sich der Widerstand formierte. Die Ausstellung würdigt sowohl die Arbeit der Sopade (Sozialdemokraten Deutschlands im Exil) als auch den Aufbau von Netzwerken in der Illegalität in Deutschland und ihre Zusammenarbeit. An Hand einiger Beispiele wird gezeigt, wie sich gerade Mitglieder aus der „zweiten Reihe“ der SPD und jüngere Partei- oder Gewerkschaftsmitglieder nicht mit dem neuen System abfinden wollten und Widerstand übten. Inhaltlich standen die Information der Bevölkerung über den verbrecherischen Charakter des neuen Regimes und die Verbreitung unzensierter Nachrichten bis zum Krieg im Vordergrund der Arbeit im Untergrund. In einem weiteren Ausstellungsteil wird der Widerstand während des Krieges dokumentiert. Während dieser bis dahin weitgehend gewaltfrei war, entwickelten einige Sozialdemokraten und Gewerkschafter angesichts Millionen Toter und der Ermordung der Juden Staatsstreichpläne und beteiligten sich u.a. am Widerstand im Umfeld des 20. Juli 1944, dem Attentat von Graf Stauffenberg auf Hitler.
Bei der Dokumentation der Arbeit im Exil stehen ab 1939 die Entwicklung von programmatischen Konzepten für den Neuaufbau Deutschlands nach dem verlorenen Krieg und die persönliche Situation der Exilanten im Vordergrund.
Als durchgängiges Gestaltungselement greift die Präsentation auf das „Herunterbrechen“ der Geschichte des Widerstandes auf die Lebenswege einzelner Personen zurück. Diese biografischen Porträts stehen exemplarisch für viele Sozialdemokraten und Gewerkschafter, die sich nicht mit dem Regime der Nationalsozialisten abfinden wollten. Ihre Widerstandsarbeit im Gegensatz zur großen Mehrheit der Deutschen, die dem Regime folgten - schaffte eine besondere Legitimation für das Wirken vieler Sozialdemokraten in der Nachkriegszeit, wie z.B. Kurt Schuhmacher, dessen Schicksal die Ausstellung ausdrücklich würdigt.

18. August 2011 bis 30. September 2011 (täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr)
"Jud Süß" Geschichte(n) einer Figur
Eine Ausstellung von Irene Aue (Jerusalem), Miriam Hesse (Göttingen), Inga Hoolmans (Göttingen), Mona Kleine (Berlin), Frauke Klinge (Göttingen), Ariadne Sondermann (Göttingen)
Der württembergische Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer (1698/99-1738) ist eine der bedeutendsten und ambivalentesten Persönlichkeiten der deutsch-jüdischen Geschichte. Durch
Veit Harlans Film Jud Süß (1940) wurde die Figur in starkem Maße antisemitisch geprägt und für die nationalsozialistische Propaganda instrumentalisiert. Diese Sicht auf
die Figur "Jud Süß" bestimmt auch aktuelle Auseinandersetzungen über öffentliche Aufführungen des Films, der nur unter strengen Auflagen gezeigt werden darf.
Die Ausstellung "'Jud Süß' - Geschichte(n) einer Figur" veranschaulicht den Wandel der Rezeption dieser Figur und stellt sie in den jeweiligen historischen Kontext.
Ausgangspunkt ist der historische Joseph Süß Oppenheimer, dessen Darstellung durch die Zeitgenossen bereits einseitig durch die Fokussierung auf seine Hinrichtung gezeichnet war.
Die Präsentation analysiert die literarische und geschichtswissenschaftliche Auseinander mit der Figur "Jud Süß" , u.a. in der Novelle von Wilhelm Hauff und dem Roman
von Lion Feuchtwanger, und beschäftigt sich zentral mit Veit Harlans NS-Propagandafilm von 1940.
Die Darstellung des Umgang mit dem Film und seinem Regisseur nach 1945 und der Bedeutung der Figur "Jud Süß" in aktuellen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen rundet
die Präsentation ab.
Das Dokumentationszentrum Prora zeigt im Anschluss an die Ausstellungseröffnung am 17. August um 17:00 Uhr um 19:30 Uhr
den Film "Jud Süß" von Veit Harlan. Prof. Dr. Wolfgang Benz, der ehemalige Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der
TU Berlin und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Dokumentationszentrums Prora, wird einen Einleitungsvortrag halten und die anschließende Diskussion leiten.
An den darauffolgenden Tagen, dem 18. und 19 August, ebenfalls um jeweils 19:30 Uhr, zeigt das Dokumentationszentrum weitere
NS-Propagandafilme unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Benz. [mehr]
02. Juli 2011 bis 31. August 2011 (täglich von 09:30 bis 19:00 Uhr)
"Entfernung von der Truppe"
Eine Ausstellung der Friedensbibliothek Antikriegsmuseum der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Die Ausstellung „Entfernung von der Truppe“ präsentiert die Schicksale zahlreicher Kriegsdienstverweigerer und Deserteure im Zweiten Weltkrieg, darunter der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, der Pazifist und Widerstandskämpfer Hermann Stöhr und der von der Katholischen Kirche 2007 selig gesprochene Franz Jägerstätter. Hermann Stöhr (Jahrgang 1898) verweigerte aus Gewissensgründen auf Grund seiner Erfahrungen im Ersten Weltkrieg bereits im Frühjahr 1939 den Kriegsdienst. Er war Pazifist und in Berlin in verschiedenen evangelischen Friedens- und Sozialorganisationen tätig. Er wurde im März 1940 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und im Juni 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Der österreichische Bauernsohn Franz Jägerstätter (Jahrgang 1907) war sehr religiös und überzeugt, als gläubiger Katholik nicht zum Militär gehen zu dürfen. Darüber hinaus war er ein Gegner der Nationalsozialisten. Auch er verweigerte den Wehrdienst in der deutschen Wehrmacht und wurde deshalb zum Tode verurteilt. 1943 wurde er im Zuchthaus Brandenburg an der Havel durch das Fallbeil hingerichtet.
Beide wurden erst nach Jahrzehnten rehabilitiert. 1997 wurden die Urteile gegen Hermann Stöhr und Franz Jägerstätter vom Landgericht Berlin als zwei der ersten Einzelurteile gegen Kriegsdienstverweigerer aus der Zeit des Nationalsozialismus aufgehoben. Ebenfalls 1997 wurde von der Katholischen Kirche die Seligsprechung Jägerstätters eingeleitet, die schließlich 2007 durch Papst Benedikt XVI. erfolgte. Heinrich Böll (Jahrgang 1917), der zunächst als Soldat am Polen-, Frankreich und Russlandfeldzug teilnahm, floh 1944 nach einem Lazarettaufenthalt mit gefälschten Urlaubspapieren nach Hause und hielt sich bis Kriegsende versteckt. Nach 1945 verarbeitete er seine Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges in der Literatur.
Die Ausstellung „Entfernung von der Truppe“ bietet vertiefte Informationen zu den Biografien dieser und weiterer mutiger Wehrdienstverweigerer im Dritten Reich.
 10. Juni 2011 bis 14. August 2011
"Fascismo Abbandonato. Kinderferienlager in Mussolinis Italien"
Ein Ausstellungsprojekt der Kuratorenwerkstatt Frankfurt/Main
Die Ausstellung „Fascismo Abbandonato“ präsentiert Fotos des britischen Fotografen Dan Dubowitz von Ruinen der Kinderferienlager des faschistischen Italiens.
Diese „Colonie Marine“ genannten Erholungseinrichtungen wurden unter der Regierung Mussolini in den 30er Jahren im Rahmen großer staatlicher Bauprogramme an der ligurischen und Adriaküste errichtet und fanden damals internationale Beachtung. Inzwischen sind sie seit Jahrzehnten verlassen und verfallen. Die leeren Ruinen stehen meist in zentraler Lage neben den Bettenburgen so genannter Ferienstädte wie Rimini, Cervia oder Calambrone.
Erbaut wurden sie im Auftrag der paramilitärischen faschistischen Jugendorganisationen Oper Nazionale Balilla (ONB) und Gioventù Italiana del Littorio (GIL), die für eine Erziehung der jungen Italiener im Geist des Faschismus sorgen sollten. In der Colonie sollten die Kinder und Jugendlichen in der freien Natur, weit weg von ihren Elternhäusern, Marschieren und synchrones Exerzieren lernen, an Fahnenappellen teilnehmen und lernen, in einfachen Massenunterkünften zu leben. Viele italienische Eltern brachten damals widerspenstige Kinder mit der Drohung: „Ti mando in colonia!“ (Ich schick dich in die Kolonie!) zur Vernunft.
Architektonisch sind diese Gebäudekomplexe ein Ausdruck der Moderne, der der italienische Faschismus, im Gegensatz zu den Machthabers des "Dritten Reiches", aufgeschlossen gegenüber stand. Die ausdrucksstarken Bauten sollten für den Faschismus werben. Sie stehen durch ihre Struktur und Symbolsprache für den faschistischen Machtanspruch. Anders als in Deutschland, wo man für den "deutschen Arbeiter" Ferienunterkünfte bauen wollte, ließ Mussolini für die Kinder bauen.

10. April 2011 bis 26. Juni 2011
"Ohne zu zögern, Varian Fry: Berlin, Marseille, New York“
Eine Ausstellung des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.
Als die deutsche Wehrmacht im Frühjahr 1940 in Frankreich einmarschierte, flohen nicht nur viele Franzosen aus den besetzten Gebieten. Auch Tausende deutsche Emigranten Künstler, Intellektuelle, Politiker, Journalisten flohen in die unbesetzte Zone im Süden Frankreichs. Viele von ihnen mit dem Ziel, Europa nun endgültig zu verlassen, da ihnen die Auslieferung in die von den Deutschen besetzte Zone drohte. Artikel 19.2 des deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommens besagte, dass „alle in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen befindlichen Deutschen, die von der Reichsregierung namhaft gemacht werden, auf Verlangen auszuliefern“ seien. Dies bedeutete faktisch das Ende des politischen Asyls in Frankreich.
Kurz nach der Besetzung traf der junge amerikanischer Journalist Varian Fry in Marseille ein geschickt von einem New Yorker Hilfskomitee namens „Emergency Rescue Committee“ (ERC), das mit Unterstützung von Eleonore Roosevelt sowie Thomas und Erika Mann in den USA gegründet worden war. Unter dem Deckmantel der Arbeit für das ERC baute Fry ein Fluchthelfer-Netzwerk auf, mit dessen Hilfe mehr als 1.800 Menschen und ihre Familien aus Südfrankreich hinaus geschleust wurden. In Frys - auch illegal - agierendem Büro wurde Geld akquiriert, Schiffspassagen besorgt, Visa und Pässe gefälscht und geheime Fluchtrouten über die französisch-spanische Grenze organisiert. Viele der Flüchtlinge waren Künstler und Intellektuelle, darunter z.B. Marc Chagall, Max Ernst, Hannah Arend, Heinrich Mann, Alma Mahler und Franz Werfel.
Die Ausstellung präsentiert mehr als 75 Einzelschicksale von Geretteten, beschreibt ihre Fluchtwege und die Arbeit der Fluchthelfer. Die Ausstellungstafeln werden ergänzt durch Hörstationen und Leseboxen.

10. April 2011 bis 31. Mai 2011
"Frankfurt - Auschwitz"
Eine dokumentarisch-künstlerische Ausstellung des Fördervereins Roma e.V. und des Künstlers Bernd Rausch
In Deutschland leben schätzungsweise 70.000 Sinti und Roma. Die Gesellschaft für bedrohte Völker schätzt, dass in Europa annähernd 10 Millionen Sinti und Roma leben.
Bereits im Deutschen Kaiserreich waren sie Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Nach dem Zusammenschluss der Deutschen Länder zum Kaiserreich 1871 konnten die Behörden enger
zusammenarbeiten. Polizei- und andere Verwaltungsbehörden widmeten sich intensiv der „Bekämpfung der Zigeunerplage“, wie es im damaligen Amtsdeutsch hieß.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verschärfte die Lage der Sinti und Roma in Deutschland. Spätestens mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 richtete sich die
nationalsozialistische Rassenpolitik auch gegen sie. „Zigeunerlager“ wurden in vielen deutschen Städten errichtet, Vorbereitung für die Deportation in Konzentrations- und
Vernichtungslager. 500.000 Sinti und Roma wurden durch die Nationalsozialisten ermordet. Ihre Verfolgung und Vernichtung, namentlich die Liquidation des sog. Zigeunerlagers im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau am 2.8.1944, stehen im Zentrum der Ausstellung „Frankfurt Auschwitz“. Im dokumentarischen Teil der Präsentation werden Biographien der Ermordeten und der verantwortlichen NS-Täter, insb. deren Karrieren nach 1945, dokumentiert. Die Diskriminierung der Sinti und Roma war 1945 mitnichten beendet. Anders als gegenüber den Juden entwickelte sich ihnen gegenüber in Deutschland kein Bewusstsein dafür, dass diese Minderheit unter dem NS-Regime zu Opfern der Vernichtungspolitik geworden war. Nur ein kleiner Teil von ihnen bekam Wiedergutmachungsleistungen, die gängigen Vorurteile wirkten nach. Noch 2002 lehnten nach einer Erhebung des American Jewish Council 58 % der Deutschen „Zigeuner“ als Nachbarn ab. Die Stereotypen über „Zigeuner“ wirken bis in die heutige Zeit. Auch damit setzt sich der dokumentarische Teil der Ausstellung „Frankfurt Auschwitz“ auseinander. Der künstlerische Teil ist dagegen der Versuch einer Bildauseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten an den Sinti und Roma. Es wird versucht, diese Verbrechen mit künstlerischen Mitteln zu verarbeiten.
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