Sonderausstellungen

 

16. Juni bis 29. August „Radiologie im Nationalsozialismus“

Blick in den Ausstellungssaal

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Radiologie in den Jahren 1933 bis 1945, die insbesondere die Zwangssterilisation durch Strahlenbehandlung aus „ rassehygienischen“ Gründen und auch Versuchsreihen im Rahmen der Tuberkulosebekämpfung betrifft. Der medizinische Alltag, unter den die Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ fällt, bot auch der Röntgenologie Einsatzbereiche, sich an der verbrecherischen „Erbgesundheitspflege“ zu beteiligen.

In der Ausstellung werden wissenschaftliche Karrieren dokumentiert. Sie umfassen auch die Biografien verfolgter und ermordeter Radiologen zwischen 1933 und 1945. Besonderes Augenmerk gilt den Tätern, darunter Georg August Weltz, ein Radiologe und Röntgenphysiologe, dessen Hauptforschungsinteresse der Luftfahrtmedizin galt. Weltz war Mitglied der „Deutschen Röntgengesellschaft“, und 1938 Präsident des ersten „Großdeutschen Röntgenkongresses“ in München. Unter anderem wurden Druckkammerversuche zwischen März und August 1942 im KZ Dachau in Kooperation von SS, Luftwaffe und dem universitären Forschungsinstitut für Luftfahrtmedizin an der

Münchener Universität durchgeführt, dessen Direktor Prof. Dr. Weltz war. Etwa 200 Häftlinge waren beteiligt, von denen ca. 70 bis 80 unmittelbar während der Versuche starben. Ausgeführt hatte die oft tödlich verlaufenden Humanexperimente SS-Hauptsturmführer Dr. Sigmund Rascher. Die Versuche kalkulierten zum Teil den Tod der Versuchspersonen ein, Sterbevorgänge wurden minutiös protokolliert. Nur wenige Mediziner mussten sich später vor Gericht verantworten. Weltz wurde allerdings im Nürnberger Ärzteprozess gemeinsam mit Siegfried Ruff und Hans-Wolfgang Romberg für die Unterkühlungs- und Höhen-/Druckkammer-Experimente angeklagt. Alle drei wurden freigesprochen.

Wie sehr jegliche ethische Normen von MedizinerInnen im Laufe des Krieges unterlaufen wurden, dokumentiert auch ein Erlass des Reichswissenschaftsministeriums vom 25. August 1941, nach dem das Ministerium bremsend eingreifen musste, weil Anfragen von universitären Forschern nach „Kriegsgefangenen als Objekte wissenschaftlicher Arbeiten“ die Verwaltung der Wehrmacht zu überfluten drohten.

Es hat Jahrzehnte gedauert, dass sich Mediziner im Allgemeinen, als auch die Facharztgruppen im Besonderen, nach langem Verschweigen und Verdrängen, dem Thema gewidmet haben.

 

 

16. September 2016 bis 27. Juni 2017 „Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner  – Geschichte und Erinnerung“

Eine Ausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Vernichtungslagers Kulmhof und gedenkt gleichzeitig der mehr als 150.000 Menschen, die dort getötet wurden. Am 8. Dezember 1941 wurden in dem kleinen Dorf KulmhKulmhof (2)of am Ner (Chełmno nad Nerem),
etwa 70 Kilometer nordwestlich von Łódź (Litzmannstadt), einige Hundert Juden mit Motorabgasen ermordet. Die Inbetriebnahme dieser Vernichtungsstätte durch das SS-Sonderkommando Lange ist der Beginn der nationalsozialistischen Massentötung an den
europäischen Juden durch Giftgas. Nach 1945 blieb Kulmhof das unbekannte unter den
nationalsozialistischen Vernichtungslagern.
Auf zwölf Ausstellungstafeln werden die Entstehung des Lagers, der Vernichtungsprozess
und persönliche Schicksale dokumentiert. Die Ausstellung zeigt zudem, welche Spuren
auch 70 Jahre nach dem Verbrechen am Ort noch zu entdecken sind. Zusätzlich werden
ausgewählte Zitate von Zeitzeugen präsentiert.

 

 

15. Juni 2017 bis 27. Juli 2017: „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“

Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufrieden geben. Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor. Dies zu ändern ist das Ziel eines historischen Langzeitprojekts, mit dem das Rheinische JournalistInnenbüro in Köln im Jahre 1996 begann und das seit 2000 von dem gemeinnützigen Verein Recherche International e.V. getragen wird.

 

1. August bis 15. September: „Vergiss deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz“,
eine Ausstellung des Internationalen Auschwitz Komitees in Kooperation mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, kuratiert von Alwin Meyer.

KindervonAuschwitzAlwin Meyer ist seit vielen Jahren auf der Suche nach Überlebenden von Auschwitz – insbesondere nach den Menschen, die damals Kinder waren. Sie wurden mit ihren Familien in die Lager von Auschwitz verschleppt oder kamen dort unter unvorstellbaren Bedingungen zur Welt. Nur wenige haben überlebt. In der Ausstellung stellt er viele dieser Kinder und ihre Geschichte vor. Angelehnt an sein zum Thema entstandenes Buch wird eindrucksvoll von einem Leben erzählt, das möglich gewesen wäre und anders hätte sein können. Damit soll den Kindern von Auschwitz ein Name, ein Gesicht, eine Stimme zurückgegeben werden.

Im Rahmenprogramm der Ausstellung ist eine Autorenlesung geplant.

 

 

 

 

1. September bis 30. November: „Die Vertriebenen von 1939“,
eine Ausstellung des polnischen Städtebundes, kuratiert von dem Historiker Jacek Kubiak.

Auf großformatigen Tafeln werden in Collagenform etwa 400 Fotos, Plakate und Dokumente aus verschiedenen polnischen und deutschen Archiven gezeigt. Sie dokumentieren die Deportationen von Polen aus den an das Dritte Reich angegliederten Teilen Polens, ihren historischen Hintergrund und weitere Verfolgungen von Polen und Juden, die das Bild der „Volkstumspolitik“ der Nazis ergänzen. Deutsche Wochenschauen aus den Kriegsjahren – eine Auswahl begleitet die Ausstellung als Videoexponat – illustrieren das Bild, das die deutsche Propaganda von der „Neuordnung” der eingegliederten Ostgebiete und von der „großen Völkerwanderung der Neuzeit“ zeichnete, also der Migration von Volksdeutschen aus Osteuropa in den Warthegau.

 

 

2017 bereits beendete Sonderausstellungen:

 

 

30. April bis 11. Juni 2017

„Dreimal Deutschland und zurück“

muellerstahl

Armin Mueller-Stahl ist ein vielseitig begabter Künstler und hat als Schauspieler, Maler, Musiker und Schriftsteller viele beeindruckt und höchste Anerkennung erfahren. Er hat ganz unterschiedliche Zeitphasen erfahren: Als Schauspieler arbeitete er erfolgreich in der DDR, die er 1980 verließ, konnte in der Bundesrepublik an seine Erfolge anknüpfen und begann Ende der 80er wieder von Neuem in den USA als 60 Jähriger. Heute lebt und arbeitet er in Los Angeles, Berlin und Sierksdorf an der Ostsee.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit der Galerie KUNSTRAUM Wasserwerk (Glowe), dem Kunsthaus Lübeck und dem Dokumentationszentrum Prora gezeigt: 300 Arbeiten auf rund 600 qm Fläche, Gemälde, Aquarelle, Mischtechniken, Zeichnungen in unterschiedlichen Formaten, Farbradierungen und Aquatinta, Lithographien, Giclées und Mischtechniken,Mappenwerke und Vorzugsgraphiken mit Buch, die auch erworben werden können.