Sonderausstellungen

Laufende Sonderausstellungen 2020:

 

14. Februar bis 31. Dezember 2020:

„Baustelle Prora  – 
Die Pläne“

eine Werkausstellung des Dokumentationszentrums Prora, kuratiert von Katja Lucke und Christian Dinse

mit erstmals veröffentlichten Dokumenten und Fotos in Kooperation mit dem Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv. Fotos aus dem Bestand des bekannten Archives der Holzmann AG, einem Fotoalbum eines jungen Bauingenieurs aus dem Büro der damaligen Bauleitung und Pläne des zentralen Statikers des „KdF-Seebades“, Adolf Leber, werden aktuellen Fotos von Prora gegenüber gestellt.

 

22. Oktober 2020 bis 15. Februar 2021: 

„Prora -Traum eines Architekten“,

eine Fotoausstellung von Uwe Seemann.

Diese Fotoausstellung von Uwe Seemann (Fotos) und Barbara Seemann (Gestaltung) ist eine fotografische Auseinandersetzung mit dem geplanten „KdF-Seebad Rügen“ und seiner eigenwilligen Faszination.

Ein großer Teil der Fotos entstand 1999 bis 2002. Zu diesem Zeitpunkt waren die Entscheidungsprozesse zum Umgang mit der historischen Hinterlassenschaft noch offen und Gebäudeabschnitte der freien Nutzung überlassen, teilweise in kreativer Form. Das Gebäudeensemble lag vorwiegend brach und verfiel. Die Sanierungen der dann privatisierten Gebäudeabschnitte begannen erst Jahre später.

2016 konzentrierte sich der Fotograf auf bereits sanierte Gebäudeabschnitte in Prora und hinterfragt fotografisch den Umgang mit der Bausubstanz.
Uwe Seemann wurde 1938 in Güstrow geboren und ist diplomierter Fotograf. Er hat sich auf nördliche Landschaften konzentriert und ist dabei auf die gigantische NS-Anlage an Rügens Küste gestoßen. Die Aufnahmen zeigen vielfach, wie die Natur, wenn der Mensch es zulässt, die Gebäude, insbesondere die Ruinenkomplexe wieder in Besitz nimmt. Ergänzt werden die Prora – Bilder durch fotografische Aufnahmen nördlicher Küstenlandschaften, im Wechsel der Jahreszeiten, von Rostock bis zur Insel Rügen. Nahezu alle Fotografien der Ausstellung wurden mit analoger Technik aufgenommen. Die Vergrößerungen wurden gedruckt, alle anderen Fotografien sind echte Barytpapier Vergrößerungen.

Als ständige Erweiterung unserer Dauerausstellung:

„Von Prora hinter die Fronten –
  Vergessene Opfer deutscher Polizeibataillone“

Seit Januar 2018 haben wir unsere Dauerausstellung erweitert um die Teilausstellung „Von Prora hinter die Fronten – Vergessene Opfer deutscher Polizeibataillone“. Mit einer Förderung durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ können wir die Geschichte von Polizeibataillonen präsentieren, die zeitweise in Prora ausgebildet wurden und später in verschiedenen besetzten Ländern Europas eingesetzt waren.

Die meisten Polizeieinheiten gingen von Prora über den Hafen Sassnitz zunächst nach Norwegen, später in die Sowjetunion, Polen, die Niederlande und Griechenland. Die Polizisten deportierten Juden, bekämpften tatsächliche oder angebliche Partisanen, sie nahmen sowjetische Soldaten gefangen und brachten sie in Gefangenenlager. Die sowjetischen Kriegsgefangenen waren nach den Juden, von denen rund sechs Millionen ermordet wurden, die zweitgrößte Opfergruppe nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Rund 3,3 Millionen von ihnen starben in deutscher Gefangenschaft, sie gehören heute immer noch zu den weitgehend vergessenen oder ausgeblendeten Opfergruppen. Deshalb haben wir sie zu einem Schwerpunkt der Ausstellung gemacht.

Die Ausstellung, kuratiert von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter Marco Esseling, dokumentiert die Ausbildung der Polizisten und ihre Einsätze auf 16 Tafeln mit zahlreichen Fotos. Ergänzt wird sie durch Fotoalben von Polizisten, z.T. erstmals gezeigte Filmdokumente und Erinnerungen von Opfern, um auch diesen eine Stimme zu geben.

Die Ausstellung ist keine temporäre Sonderausstellung, sondern soll dauerhaft Teil unserer Ausstellungen bleiben.

 

 

Beendete Sonderausstellungen 2020:

24. Juli bis 11. Oktober 2020:
„Die Rosenburg – Das Bundesjustizministerium im Schatten der NS-Vergangenheit“ 

Die Rosenburg in Bonn, 1950 bis 1973 Sitz des Bundesministeriums der Justiz. (c) Gerd Nettersheim

Die Ausstellung „Die Rosenburg – Das Bundesjustizministerium im Schatten der NS-Vergangenheit“ ist Teil der Aufarbeitung der Geschichte des Justizministeriums. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des Historikers Prof. Manfred Görtemaker und des Juristen Prof. Christoph Safferling hat seit 2012 im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) mit dem „Rosenburg-Projekt“ untersucht, wie das Justizministerium in den 1950er und 60er Jahren mit der NS-Vergangenheit seiner Mitarbeiter, den personellen und sachlichen Kontinuitäten, der Verfolgung von Verbrechen im Zusammenhang mit dem Holocaust sowie mit Amnestie und Verjährung umging. Die Ergebnisse des Abschlussberichts „Die Akte Rosenburg“ wurden in einer Wanderausstellung erstmals 2017 vorgestellt. Diese gliedert sich in neun Bereiche, die durch Stelen und Multimedia-Inhalte repräsentiert werden. Sie nähern sich u.a. durch Biographien oder Original-Aussagen dem jeweiligen Thema an. Ziel dieser Ausstellung ist es, die Erkenntnisse der „Akte Rosenburg“ einem breiten Publikum vorzustellen und dadurch das Bewusstsein für das historische Unrecht zu schärfen.

 

12. Mai bis 13. September:
„Die Körper der SS – Ideologie, Propaganda und Gewalt“

Für das Themenjahr 2016 „Körperkultur – Schönheit, Hygiene, Selbstbild“ der Museumsinitiative Ostwestfalen-Lippe e.V. hat das Kreismuseum Wewelsburg eine Sonderausstellung erarbeitet, die Körperbilder, Körpervorstellungen und Körperideale des Nationalsozialismus im Allgemeinen und der SS im Besonderen in den Blick nimmt.
Dieser Ansatz nimmt Forschungsstränge auf, die in den vergangenen Jahren, etwa in der Dissertation von Paula Diehl unter dem Titel „Macht – Mythos – Utopie.
Die Körperbilder der SS-Männer“, breitere Beachtung gefunden haben. Ziel der Ausstellung ist einerseits, das körperbasierte Denken in der Ideologie des Nationalsozialismus im Allgemeinen sowie der SS im Speziellen darzustellen und andererseits die Auswirkungen dieses  enschenverachtenden Denkens auf die von den Nationalsozialisten definierten „Gegner“ des Systems beispielhaft und biographisch zu ergründen. Die Definition der angeblichen „Gegner“ wurde dabei im Grundsatz ebenso durch körperliche Merkmale vorgenommen oder zumindest begründet, wie die Definition der „Volkszugehörigen“.
In Publikationen, Reden, Bauten und mörderischen Handlungen ihrer Mitglieder und Führer ist eine besonders nachdrückliche Radikalisierung der skizzierten Körperideale bei der Schutzstaffel (SS) festzustellen. Die Körper der SS-Männer sollten im Sinne ihrer kriegerischen Funktion geformt sein und eine rassistische „Elite“ bilden.
Sie sollten „hart“ und „stark“ werden und das sowohl in körperlicher als auch mentaler Hinsicht. Der SS-Mann hob sich zusätzlich durch die speziell gestalteten schwarzen Uniformen von der Masse der „Volksgenossen“ ab. Auch das Frauenbild der SS zeigt ein radikalisiertes Körperverständnis: Die Frau des SS-Mannes sollte nach dem Willen der SS-Führung eine „Gefährtin“ des Mannes sein, die ihn „stärkt“, ihm im Sinne des Elitegedankens der SS vermeintlich „rassisch“ wertvolle Kinder gebärt. Demgegenüber zeigt sich auch der Umgang mit als Gegnern definierten Personengruppen, zunächst im innerdeutschen Bereich und später in den besetzten Gebieten Osteuropas als stetige Radikalisierung und Umsetzung des elitären Körperverständnisses der SS.
Inhaftierung, Folter, willkürliche Massaker sowie die Morde in den Konzentrationslagern, verübt an osteuropäischen Volksgruppen, an Menschen jüdischen Glaubens, an Sinti und Roma und an vermeintlich „rassischen“ oder „politischen Gegnern“ belegen die entfesselte Brutalität und Willkür gegenüber angeblich „gegnerischen Körpern“. Die
Sonderausstellung wurde mit Zuschüssen der Landeszentrale für politische Bildung NRW finanziert und  bis 13.9.2020 im Dokumentationszentrum Prora gezeigt.
Foto:

„SS-Fechter“: © Kreismuseum Wewelsburg, Foto: Hellmeier & Friedenberger 2008

Einführung in die Ausstellung durch den Kuratoren Erik Beck: