Category Archives: Sonderausstellungen

„Von Prora hinter die Fronten…“

Seit Januar 2018 haben wir unsere Dauerausstellung erweitert um die Teilausstellung „Von Prora hinter die Fronten – Vergessene Opfer deutscher Polizeibataillone“. Mit einer Förderung durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ können wir die Geschichte von Polizeibataillonen präsentieren, die zeitweise in Prora ausgebildet wurden und später in verschiedenen besetzten Ländern Europas eingesetzt waren.
Die meisten Polizeieinheiten gingen von Prora über den Hafen Sassnitz zunächst nach Norwegen, später in die Sowjetunion, Polen, die Niederlande und Griechenland. Die Polizisten deportierten Juden, bekämpften tatsächliche oder angebliche Partisanen, sie nahmen sowjetische Soldaten gefangen und brachten sie in Gefangenenlager. Die sowjetischen Kriegsgefangenen waren nach den Juden, von denen rund sechs Millionen ermordet wurden, die zweitgrößte Opfergruppe nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Rund 3,3 Millionen von ihnen starben in deutscher Gefangenschaft, sie gehören heute immer noch zu den weitgehend vergessenen oder ausgeblendeten Opfergruppen. Deshalb haben wir sie zu einem Schwerpunkt der Ausstellung gemacht.
Die Ausstellung, kuratiert von unserem wissenschaftlichen Mitarbeiter Marco Esseling, dokumentiert die Ausbildung der Polizisten und ihre Einsätze auf 16 Tafeln mit zahlreichen Fotos. Ergänzt wird sie durch Fotoalben von Polizisten, z.T. erstmals gezeigte Filmdokumente und Erinnerungen von Opfern, um auch diesen eine Stimme zu geben.
Die Ausstellung ist keine temporäre Sonderausstellung, sondern soll dauerhaft Teil unserer Ausstellungen bleiben.

„Die Wilhelmstraße 1933-1945“

„Die Wilhelmstraße 1933-1945“
Eine Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors.

Die Wilhelmstraße in Berlin wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zum Sitz der wichtigsten Ministerien Preußens, seit 1871 auch des Deutschen Reichs und später des NS-Staats. Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde sie zum Synonym für „Die Deutsche Regierung”. Sie war nicht nur die traditionelle Regierungsmeile Deutschlands sondern auch der Ort, an dem die NS-Elite sich und die „NS-Volksgemeinschaft“ inszenierte. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bezogen die Nationalsozialisten das Regierungsviertel. Sie prägten es auf mehrfache Weise: durch die Ansiedlung neuer Behörden, die Umstrukturierung bestehender Behörden, umfangreiche Neu- und Umbauten und durch die Nutzung der Straße selbst als politische Bühne. Die Ausstellung zeigt diese sichtbaren und unsichtbaren Veränderungen, die Instrumentalisierung einer Straße im NS ideologischen Sinn. Neben den Ministerien befanden sich zentrale Täterinstitutionen wie Gestapo, Sicherheitsdienst und Reichssicherheitshauptamt, in dem der europaweite Völkermord vom Schreibtisch aus organisiert wurde, als auch der Wilhelmplatz, auf dem immer wieder Menschenansammlungen zusammenkamen, um einen Blick auf Hitler auf dem eigens 1935 angebauten „Führerbalkon“ der Reichskanzlei werfen zu können. Heute existiert ein großer Teil dieser Gebäude nicht mehr, darunter das Palais des Reichspräsidenten, das Preußische Staatsministerium und die Reichskanzlei. Noch erhaltene Gebäude wurden von der Regierung der DDR und werden seit 1991 von der Bundesrepublik Deutschland genutzt.
In der Ausstellung wird das NS Regierungsviertel als begehbares Modell gestaltet. Was in den jeweiligen Gebäuden in der Nazi-Zeit geschah, verbirgt sich in kleinen Kabinetten, die durch Türen in personengroßen Fotowänden zugänglich werden.